Die Studienlage

Medikationsfehler: was die Forschung zeigt

Häufigkeit im Krankenhaus

Systematische Übersichtsarbeiten finden im Krankenhaus im Median bei 7 % der ärztlichen Medikationsanordnungen einen Verordnungsfehler (Studien 1985–2007) und bei 10,5 % der Verabreichungen einen Fehler in der Gabe, Zeitfehler nicht mitgezählt (52 Studien 1966–2011).

Lewis et al. 2009 [2]; Berdot et al. 2013 [3]

Folgen für Patient:innen

Laut OECD gehen bis zu 1 von 10 Krankenhausaufenthalten auf medikamentenbedingte Schäden zurück; bis zu 1 von 5 hospitalisierten Patient:innen erleidet während des Aufenthalts einen solchen Schaden.

de Bienassis et al., OECD 2022 [5]

Ökonomische Dimension in Österreich

Bei rund 2,3 Mio. stationären Aufenthalten und einer ADE-Prävalenz von ca. 10 % entstehen durch verlängerte Liegezeiten rund 647 Mio. Euro jährliche Mehrkosten, davon gelten 291 Mio. Euro als vermeidbar.

Hilbe et al., Österreichische Ärztezeitung 17/2026 [7]

Wo Fehler entstehen

Die häufigsten beitragenden Faktoren bei Verordnungsfehlern im Krankenhaus: fehlendes oder falsches Wissen über Medikamente (30 %) und über Patient:innen (29 %), fehlerhafte Berechnungen (18 %), Nomenklatur-Probleme (13 %). Der fehleranfälligste Schritt im Medikationsprozess ist die Verordnung (47 %).

Lesar et al. 1997 [1]; Hilbe et al., Österreichische Ärztezeitung 15/16/2026 [6]

Eigene Forschung & Daten

Was MEDCH selbst erhebt

MEDCH Barometer 2026

Das Stimmungsbild der Gesundheitsfachkräfte

Österreichweite Online-Befragung von 300 Gesundheitsfachkräften (Februar bis März 2026): 85,3 % fühlen sich gelegentlich oder häufig nicht ausreichend über Arzneimittel informiert, 90,4 % würden akkreditierte, praxisnahe Lernangebote häufiger nutzen, 76 % halten digitale Lernplattformen für zukunftsrelevant.

MEDCH Barometer 2026 [13]

Plattformdaten

Die Lernkurve: von 48 auf 70 Prozent

Der Anteil richtig beantworteter Fragen auf der Plattform stieg von rund 48 % im Jahr 2022 auf rund 70 % im Jahr 2026, bei über 440.000 beantworteten Fällen. Der Lernfortschritt ist messbar.

MEDCH-Plattformdaten, Stand 09/2026 [15]

Studien & Diskurs

KI-Studie & ÖÄZ-Artikelserie

Die MEDCH-Studie zu KI im klinischen Alltag (2025, n = 246), die laufende Verwendungsstudie am Kepler Universitätsklinikum und die AMTS-Artikelserie in der Österreichischen Ärztezeitung 2026 verankern MEDCH im wissenschaftlichen Diskurs.

[17], [6], [7]

Quellen

Literatur im Detail

  1. Lesar TS, Briceland LL, Stein DS: Factors related to errors in medication prescribing. JAMA 277(4), 1997, S. 312–317. PubMed

  2. Lewis PJ, Dornan T, Taylor D, Tully MP, Wass V, Ashcroft DM: Prevalence, incidence and nature of prescribing errors in hospital inpatients: a systematic review. Drug Safety 32(5), 2009, S. 379–389. PubMed

  3. Berdot S, Gillaizeau F, Caruba T, Prognon P, Durieux P, Sabatier B: Drug administration errors in hospital inpatients: a systematic review. PLOS ONE 8(6), 2013, e68856. DOI

  4. Bates DW, Cullen DJ, Laird N et al., for the ADE Prevention Study Group: Incidence of adverse drug events and potential adverse drug events. Implications for prevention. JAMA 274(1), 1995, S. 29–34. PubMed

  5. de Bienassis K, Esmail L, Lopert R, Klazinga N: The economics of medication safety. Improving medication safety through collective, real-time learning. OECD Health Working Papers No. 147. OECD Publishing, Paris 2022. DOI · Deutsche Fassung (PDF)

  6. Hilbe W, Jeske M, Schwarz-Martelanz C, Wagner M: Prävalenz medikationsbedingter unerwünschter Ereignisse. Der blinde Fleck im Krankenhaus. Arzneimitteltherapie­sicherheit, Teil 1. Österreichische Ärztezeitung 15/16, 15.08.2026, S. 34–35.

  7. Hilbe W, Jeske M, Schwarz-Martelanz C, Wagner M: Die Schattenseite der Arzneimitteltherapie. Die ökonomische Dimension von unerwünschten Arzneimittelereignissen. Arzneimitteltherapie­sicherheit, Teil 2. Österreichische Ärztezeitung 17, 10.09.2026, S. 40–41.

  8. Gillespie U, Alassaad A, Henrohn D et al.: A comprehensive pharmacist intervention to reduce morbidity in patients 80 years or older: a randomized controlled trial. Archives of Internal Medicine 169(9), 2009, S. 894–900. DOI

  9. World Health Organization: Medication Without Harm. WHO Global Patient Safety Challenge. Genf 2017 (WHO/HIS/SDS/2017.6). WHO

  10. World Health Organization: Global Patient Safety Action Plan 2021–2030. Towards eliminating avoidable harm in health care. Genf 2021 (ISBN 978-92-4-003270-5). WHO

  11. Austrian Society for Quality & Safety in Healthcare (ASQS), Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapie­sicherheit: Empfehlungen zur Erhöhung der Arzneimitteltherapie­sicherheit (AMTS) für Akutversorgungseinrichtungen und stationäre Langzeitpflege auf Basis des WHO Patient Safety Action Plan 2021–30: Medication Without Harm. Beschlossen am 19.12.2025. PDF

  12. PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs: Daten & Fakten 2026. Wien 2026. Datengrundlage: BASG, Statistiken zu Arzneispezialitäten, Stand 21.01.2026. PDF

  13. MEDCH GmbH: MEDCH Barometer 2026. Informationsverhalten, Lernpräferenzen und Vertrauen in pharmazeutische Information unter österreichischen Health Care Professionals. Linz 2026. Online-Befragung, Februar bis März 2026, 41 Items; 300 vollständige Datensätze von 4.500 Eingeladenen (Rücklauf 6,7 %); Ärzt:innen 49,7 %, Pharmazeut:innen 27,3 %, Studierende und KPJ-Absolvent:innen 16,7 %, Pflege und sonstige Berufsgruppen 6,4 %.

  14. Spectra Marktforschung: Befundung Informationsverhalten österreichischer Healthcare Professionals. Wien, April 2026.

  15. MEDCH GmbH: Plattformdaten des MEDCHtrainers (Web, iOS, Android), anonymisiert und aggregiert ausgewertet, Stand 09/2026. Richtig-Quote: Anteil korrekter an allen abgegebenen Antworten eines Kalenderjahres, übersprungene Fälle eingeschlossen.

  16. MEDCH GmbH: Auswertung von 491 Fieberkurven mit 4.953 verordneten Arzneimitteln aus Krankenhäusern und Fachabteilungen in ganz Österreich. Linz 2022.

  17. MEDCH GmbH: Nutzung, Vertrauen und Perspektiven von KI im klinischen Alltag unter Ärzt:innen und Pharmazeut:innen in Österreich. Linz, November 2025. Anonyme Online-Befragung der MEDCH-Community, September bis Oktober 2025; 246 vollständige Datensätze von 3.800 Eingeladenen (Rücklauf rund 6,5 %).

  18. Hilbe W, Gampenrieder Satory J, Assadian O: Polypharmazie – das Damoklesschwert der modernen Medizin. QUALITAS. In: ÖKZ 67(01), 2026, S. 38–40.

  19. Schönberger A: Riskante Rezepte. profil 57(27), 04.07.2026, S. 54–59.

Transparenz: An den Quellen [6], [7] und [18] haben Mitglieder des MEDCH-Teams mitgewirkt. Die Quellen [13] und [15] bis [17] sind eigene Erhebungen und Daten von MEDCH.