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Das Faxgerät der Pharmakommunikation

Ein fiktives Szenario für 2028 lässt die Börsen zittern. Was es uns wirklich über die Zukunft der Arzneimittelkommunikation verrät – wenn man nur ehrlich genug ist, die Parallelen zu sehen. Seit Januar 2025 ist es amtlich: Das österreichische Gesundheitswesen darf Befunde nicht mehr per Fax übermitteln. Das Gesetz ist eindeutig, der Wille zur Modernisierung vorhanden. Dennoch surrt das Relikt aus den Neunzigern in mancher Praxisecke weiter. Nicht, weil es an besseren Ideen mangelt. Sondern weil ein Verbot allein noch keine tief verankerte Gewohnheit ausmerzt. Man hat sich eben daran gewöhnt, dass es so ist.

Von Gerhard Feilmayr · 7. April 2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein fiktives Szenario für 2028 lässt die Börsen zittern. Was es uns wirklich über die Zukunft der Arzneimittelkommunikation verrät – wenn man nur ehrlich genug ist, die Parallelen zu sehen.

Seit Januar 2025 ist es amtlich: Das österreichische Gesundheitswesen darf Befunde nicht mehr per Fax übermitteln. Das Gesetz ist eindeutig, der Wille zur Modernisierung vorhanden. Dennoch surrt das Relikt aus den Neunzigern in mancher Praxisecke weiter. Nicht, weil es an besseren Ideen mangelt. Sondern weil ein Verbot allein noch keine tief verankerte Gewohnheit ausmerzt. Man hat sich eben daran gewöhnt, dass es so ist.

Die Pharmakommunikation kennt ihr eigenes Faxgerät. Sie nennt es nur anders.

Das Piepen im Elfenbeinturm

Kürzlich sorgte ein fiktives Szenario für 2028, das im sogenannten „Citrini-Report“ entworfen wurde, für einen Schock im globalen Wirtschaftsdiskurs. In diesem Zukunftsbild erledigen KI-Agenten massenhaft Bürojobs, die Wirtschaft boomt auf dem Papier, doch der Mensch wird zur teuren, ineffizienten Nebensache. Ein Detail des Szenarios blieb dabei fast unbemerkt, entfaltet aber eine besondere Sprengkraft: Ein KI-Agent, der die kognitive Leistung eines 180.000-Dollar-Managers erbringt, kostet monatlich 200 Dollar. Er braucht keinen Urlaub, keine Reisespesen und beklagt sich nie über den Parkplatzmangel vor dem Krankenhaus.

Diese Zahl provoziert eine unangenehme Frage: Wenn ein Algorithmus das gesamte Wissen eines Managers abrufen, analysieren und anwenden kann – was genau sendet dann der Pharmakanal, der seit Jahrzehnten nicht nur die gleichen Slides, die gleichen Formate und das immergleiche Rollenspiel, sondern auch noch den guten alten Außendienst durch die Leitungen schickt?

Das metaphorische Faxgerät der Branche würde jetzt piepen, eine vergilbte Seite auswerfen und darauf stünde in verblasster Schrift: Awareness. Q3. +12 %.

Das Ghost-GDP der Pharma-Kommunikation

Das eigentliche Problem ist nicht der gewählte Kanal. Es ist die Denkweise dahinter. Es ist die stille, aber hartnäckige Überzeugung, dass Aufmerksamkeit ausreicht. Dass ein gut platziertes Logo in einem Fachjournal, ein gebrandeter Podcast oder ein hübscher LinkedIn-Post genau das leisten, was eine Ärztin um 23:47 Uhr im Nachtdienst wirklich benötigt: eine verlässliche, sofort anwendbare Antwort auf eine Dosisfrage bei Niereninsuffizienz.

Ein Hochglanzprospekt hilft im Klinikalltag so viel wie ein Regenschirm aus Seidenpapier bei Platzregen. Er mag hübsch aussehen, aber er hält nichts ab und ist beim ersten echten Bedarf schon durchweicht.

Der Citrini-Report beschreibt das Schreckgespenst eines „Ghost-GDP“ – eine Wirtschaftsleistung, die in Statistiken glänzt, aber am realen Leben der Menschen vorbeifließt. Die Pharmakommunikation hat ihr eigenes Ghost-GDP längst perfektioniert. Es besteht aus Impressions, Reichweiten und dem berühmten „Share of Voice“. Diese Kennzahlen werden sorgfältig poliert und in Quartalspräsentationen gefeiert, sind am Point of Decision aber wertlos.

Wissen entsteht nicht durch Lautstärke

Wissen ist kein Werbeslogan. Es entsteht durch Anwendung, durch die Konfrontation mit einem realen Problem, durch Fehler und deren Korrektur. Kein Algorithmus kann diese menschliche Erfahrung ersetzen. Aber er kann sie intelligent unterstützen.

Genau hier liegt der Kern von MEDCH. Für über 6.000 Ärztinnen, Pharmazeutinnen und Pflegefachkräfte in Österreich ist es mehr als nur ein Kanal. Es ist ein DFP- und AFP-akkreditiertes Ökosystem für Lernen und Arzneimittelinformation. Hier werden reale klinische Fallvignetten zu 400 Wirkstoffen durchgespielt – mit sofortigem, evidenzbasiertem Feedback. Über 330.000 beantwortete Trainingsfragen zeigen, dass hier nicht nur gesendet, sondern auch verstanden wird.

Mit dem Drug Performance Index wird erstmals messbar, wie sicher ein Wirkstoff wirklich verstanden wird – nicht, wie oft ein Logo gesehen wurde. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen Information, die gesendet wird, und Wissen, das ankommt. Dies ist kein Werbekanal. Es ist die Brücke zwischen Theorie und therapeutischer Entscheidung.

Die Pharmaindustrie wird diesen Wandel nicht aufhalten. Sie kann nur entscheiden, auf welcher Seite sie stehen möchte: auf der Seite des Faxgeräts oder auf der der intelligenten, nützlichen Information.

Das Faxgerät hat das alles auch nicht kommen sehen.

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Gerhard Feilmayr

Gerhard Feilmayr

Gründer, CEO/CFO